Malen mit Ölfarben

Wohl jeder Mensch hat schon einmal ergriffen und staunend vor einem Ölbild gestanden. Die satten Farben und ein eindrucksvolles Format laden den Blick ein, immer mehr Einzelheiten zu entdecken. Ölfarben, die aus in Öl verteilten organischen oder mineralischen Pigmenten bestehen, sind seit dem Mittelalter das klassische Malmedium und fehlen in kaum einem Atelier.

Malen mit Ölfarben: Vorteile

Die für die Ölfarben verwendeten Pigmente haben eine hohe Farbintensität, die die unnachahmliche Brillanz erklärt, die von keinem anderen Malmedium erreicht wird. Ihre buttrige Konsistenz erlaubt es, sowohl mit verschwenderischem Impasto satte Farbschichten aufzutragen, als auch in dünnen Lasuren Farbschicht um Farbschicht aufzutragen, um so eine ungeheure Tiefe zu bewirken.
Da Ölfarben langsam trocknen, kann man fein verwischte Ãœbergänge, sanfte Farbverläufe oder wilde Nass-in-Nass-Wirbel über längere Zeit hin immer wieder bearbeiten. Korrekturen sind einfach möglich – man wischt einfach die nasse Farbe vom Malgrund und beginnt erneut. Die Palette kann großzügig bestückt werden, da die Farben auch bei längerer offener Lagerung – mit einer Frischhaltefolie überzogen – feucht und elastisch bleiben.
Ölbilder sind, wenn man qualitativ hochwertige Farben verwendet, sehr alterungsbeständig und vergilben kaum noch. Sie haften auch auf flexiblen Malgründen und lassen sich in getrocknetem Zustand sogar einrollen, ohne Schaden zu nehmen.

Malen mit Ölfarben: Nachteile

Da die klassischen Ölfarben und die Lösungsmittel wie Terpentin oder Spiritus bei der Verarbeitung Dämpfe und Gerüche erzeugen, werden sie von vielen Menschen nicht vertragen und sollten nur in einem gut belüfteten Raum benutzt werden.
Auch einige der verwendeten Pigmente wie Cadmium sind hochgiftig – deshalb gehören Ölfarben nie in die Hände unbeaufsichtigter Kinder! Es kann wegen dieser Giftigkeit auch nur geraten werden, eine dichte Schutzmaske zu tragen, wenn man seine Farben selbst anrührt oder mit losen Pigmenten arbeitet.
Der langsame Trocknungsprozess führt zu langen Wartezeiten bei der Lasurtechnik, da jede Schicht vor dem Übermalen erst durchgetrocknet sein muss. Durch den Zusatz von Trocknungsbeschleunigern lässt sich diese Zeit drastisch verkürzen. Die Lagerung während der Trockenphase kann den Maler vor ein Platzproblem stellen, da nasse Ölgemälde nicht gestapelt oder aneinander gelehnt werden können.

Malen mit Ölfarben: Mischen

Wie die Acrylfarben lassen sich auch Ölfarben mischen – direkt auf der Palette, auf der Pinselspitze, auf der Leinwand in nassem Zustand oder durch nacheinander aufgetragene farbige Lasuren. Hierbei ist der Ölgehalt der Farben zu beachten: Es gilt die Regel »fett auf mager«. Das bedeutet, dass die unteren Schichten weniger Öl enthalten sollten als die oberen, da sich sonst beim Trocknen Risse in der Farbschicht bilden können.
Das direkte Mischen mit anderen Materialien ist nur möglich, wenn diese auch ölbasiert sind wie zum Beispiel Ölkreiden. Auf eine trockene Schicht Acrylfarbe kann man jedoch bedenkenlos Ölfarbe auftragen.

Ölfarbe verdünnen

Für feine, transparente Schichten wird man die Farben etwas verdünnen wollen. Es gibt Verdünnungsmittel, die die verschiedensten Effekte haben: Sie erhöhen die Transparenz, sie verbessern die Geschmeidigkeit, sie verlängern oder verkürzen die Trockenzeit oder mattieren oder steigern den Glanz.

Ölfarben entfernen

In nassem Zustand lässt sich Ölfarbe einfach von der Leinwand wischen, obwohl bei manchen Pigmenten blasse Spuren zurück bleiben können. Diese lassen sich aber leicht übermalen. Aus Pinseln und Kleidung entfernt man die Farbe am besten sofort mit Terpentin und wäscht sie anschließend mit einer milden Seifenlauge aus.

Ölfarben trocknen

Ihr Ölbild bekommt zum Trocknen am besten einen staubgeschützten Platz ohne direkte Sonneneinstrahlung. Man kann durch einen kleinen Trick den Prozess etwas beschleunigen: Legen Sie auf Ihr nasses Bild ganz vorsichtig und locker eine Zeitung und lassen Sie sie über Nacht dort liegen. Das saugfähige Papier wird etliches von dem Öl aufnehmen. Allerdings nimmt dieses Verfahren den Farben einiges von ihrem Glanz, den Sie jedoch mit einem entsprechenden Firnis wieder herbeizaubern können.

Ölfarben überstreichen

Ist die Ölschicht einmal vollständig getrocknet (was Wochen in Anspruch nehmen kann), kann sie mit vielen anderen Farben, die gut haften und decken, überstrichen werden. Nur transparente, wasserbasierte Farben wie die Aquarellfarben werden auf der Ölschicht weder halten noch decken.